Archivartikel: Der alte Fährpram
konnte nicht gerettet werden und ist verschrottet.
Historischer
Fähre droht nun doch der Untergang
Seit
Monaten wird ein musealer Standort für den
110 Jahre alten Fährprahm Neckarhausen gesucht.
Wenn bis spätestens zum Jahresende keine
Lösung gefunden ist, droht die Verschrottung... Lesen Sie hierzu
den Artikel im "Morgenweb" vom
12.07.01
Hintergründe:
Unser Bericht vom Sommer 2000 Bald moderneres Fahrzeug
zwischen Edingen-Neckarhausen und Ladenburg

Vielleicht noch im August,
spätestens aber im September wird ein bisher kaum
beachteter "Veteran" in den wohlverdienten
Ruhestand gehen: Der Prahm der Wagenfähre in Edingen-Neckarhausen
wird nach über 105 Jahren durch einen Neubau ersetzt.
Auf dieses wohl im gesamten Verkehrswesen
ungewöhnliche Ereignis weist die Zeitschrift "Der Fährmann"
in ihrem jüngst erschienenen Heft hin.
Nachdem sich die
Eigentümer am ende des vor-vorigen Jahrhunderts
"zum Bau einer neuen eisernen Nähe" -
‚Nähe‘ oder ‚Näh‘ werden am unteren Neckar
Fährprahme genannt - entschlossen hatten, wurde
diese am 16. April 1895 geliefert und einen Tag später
in Betrieb genommen.

Damals
wurde sie noch von der Strömung des Flusses angetrieben.
An einem langen stromauf verankerten Seil hängend
wurde der Fährkörper schräg zur Fließrichtung
gestellt und so vom fließenden Wasser auf die
gewünschte Seite gedrückt. Als durch die Flussregulierungen
der zwanziger Jahre die Strömung nicht mehr ausreichte,
wurde der Fährprahm mit einem Hilfsmotor ausgerüstet.
Seit 1976 wurde die Fähre, bedingt durch den zunehmenden
Schiffsverkehr auf dem Neckar, nicht mehr wie bisher
am Längsseil, sondern an einem hoch über den
Fluss gespannten Querseil geführt. Seitdem zieht
sie sich an einer auf dem Grund liegenden Kette ans
andere Ufer.
Das Alter der Fährstelle
zwischen Neckarhausen und Ladenburg liegt im Dunkeln. Mit
Sicherheit ist sie aber im Jahre 1483 erwähnt worden.
Es folgen weitere Nennungen
im Zuge von
Handelsstraßen und Postrouten. Ein bedeutendes
Ereignis war die kurfürstliche Bestätigung
des Fährrechtes gegenüber den damals zehn
Fährbetreibern. Der 1745 ausgestellte "Erbbestandsbrief"
stellt noch heute die Rechtsgrundlage für den Fährbetrieb
und die Aufteilung der Anteile unter den Fährbesitzern
dar.

Durch
Verkauf, Tausch, vor allem aber durch Vererbung, gibt
es heute 26 Teilhaber mit unterschiedlich großen
Anteilen. Knapp die Hälfte der Anteilseigner ist
selbst als Fährmann oder Fährfrau tätig. Das
100jährige Jubiläum des Fährgefäßes
und das 250jährige des Erbbestandsbriefes wurde
von den Eigentümern der Fähre im Jahre 1995
groß gefeiert. Bei einem Fährleutetreffen
waren rund 100 Fährleute aus ganz Deutschland zu
Gast, und es erschien eine umfangreiche und anschauliche
Chronik zur Geschichte dieser einzigartigen Fähre.

Nach
Informationen der "Arbeitsgemeinschaft Binnenfähren
in Deutschland", so berichtet "Der Fährmann",
ist der Neckarhauser Fährprahm das älteste
noch im Dauerbetrieb befindliche "Fährgefäß"
auf deutschen Gewässern. Unter dem Begriff "Fährgefäß"
werden alle Fährfahrzeuge, also Boote, Schiffe,
Prahme oder Pontons, zusammengefasst. Die Arbeitsgemeinschaft
Binnenfähren ist ein Arbeitskreis am Deutschen
Schiffahrtsmuseum Bremerhaven, in dem Fährleute
und -betreiber, aber auch
regional-, verkehrs-
und technikgeschichtlich Interessierte ehrenamtlich
zusammenarbeiten.

Die
Fährdatei der Arbeitsgemeinschaft umfasst rund
300 Fähren auf deutschen Flüssen,
Seen, Kanälen und Meeresbuchten. "Aber keine
ist älter als die Neckarhauser 'Näh'",
ist sich Dieter König, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft
und Redakteur ihres Mitteilungsblattes "Der
Fährmann" sicher. Lediglich im benachbarten Mannheim
gebe es noch einen 101 Jahre alten Fährprahm, der
nach Ersatz des Neckarhauser Schiffes das
älteste Fährgefäß Deutschlands
sein wird. Mit größerem
zeitlichen Abstand
folgen dann verschiedene Fahrzeuge aus den zwanziger
Jahren.
Insgesamt ist die
Zahl alter Fährgefäße in den letzten
zehn Jahren rapide zurückgegangen. Neue
Vorschriften haben eine andere Bauweise der Fährkörper gefordert
und im Osten Deutschlands hat die "Wende"
mit ihren wirtschaftlichen und
verkehrlichen
Folgen einerseits zu einer "Neubauwelle",
andererseits zur Einstellung vieler Fährverbindungen
geführt.
Dem Ausbau des Verkehrsnetzes
im Osten Deutschland hat die Neckarhausener Fähre
letztlich auch ihren neuen Prahm zu verdanken. Der alte
wäre durchaus noch einige Zeit zu gebrauchen
gewesen, darin sind sich die Eigentümer einig.
Bei der nächsten Inspektion wären aber
umfangreiche Instandsetzungsarbeiten fällig gewesen. Außerdem
ist das Deck für zwei Reihen Autos zu schmal. Als
aber die Havelfähre Stodehne durch eine Brücke
ersetzt wurde und der dortige Fährprahm günstig
zu kaufen war, griffen die Erbbeständler zu.
Ganz neu ist also auch die "neue" Neckarhauser
Fähre nicht.
Nach einem Umbau
auf der Neckarsteinacher Werft wird sie ihren Dienst
zwischen Neckarhausen und Ladenburg aufnehmen
und den Menschen sicher bald ebenso vertraut sein wie
die alte 'Näh'. Diese soll nach dem Willen der
Fährbetreiber einen Ehrenplatz
bekommen, am
liebsten in einem Museum, denn "alle Leute hier
kennen diese Fähre von
klein auf, und
auch ihre Großeltern haben nie eine andere gekannt",
begründete das Fährfrau und Mitinhaberin
Luise Zieher im "Fährmann".
Wer den "Fährmann"
kennenlernen möchte, kann ein Einzelheft gegen
Einsendung von 4 DM in Briefmarken an "Der
Fährmann" (s.u.) bestellen. Pressemitteilung
vom August 2000 |