Arbeitsgemeinschaft Binnenfähren in Deutschland


 

2000 | 1999 | 1998 | 1997


2000
An der Fähre Höfgen-Nimbschen

Das Fährleutetreffen war am 4. und 5. November im sächsischen Nimbschen und Höfgen bei Grimma and der Mulde.


1999
Fähre am Hochseil lieferte Diskussionsstoff

In Schweringen an der Mittelweser trafen sich Fährleute aus ganz Deutschland - Drei neue Publikationen der AG Binnenfähren erschienen -

Fachleute aus der Praxis und der Wissenschaft verfielen in eine lebhafte Diskussion, als die Gastgeber beim 12. Deutschen Fährleutetreffen in Schweringen (Kreis Nienburg) die Technik zur Querung der Mittelweser vorstellten: Der neue stählerne Prahm, der seinen betagten Vorgänger aus den Jahren 1947 und 1948 ersetzen wird, erhält einen elektrischen Antrieb und zur Sicherung eine Grundkette und wird an einem Hochseil über die Mittelweser geführt. Die Schweringer Landwirte hatten jahrelang um den für ihre Existenz so wichtigen Neubau gekämpft, der zur Zeit auf einer Binnenschiffswerft in Derben an der Elbe vor seiner Fertigstellung steht.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Bauernfähre leitet sich aus einem Naturereignis in der frühen Neuzeit ab: Weil die Schweringer Landwirte durch eine Veränderung des Flußlaufes im 15. und 16. Jahrhundert von ihren Nutzflächen abgeschnitten wurden, richteten sie selbst diese Fährverbindung ein, die neuerdings von einem "Realverband der Strohfelder in Schweringen" betrieben wird. Den Fährdienst leisteten zuletzt im Wechsel nach einem festen Fahrplan fünf Landwirte und ein ehemaliger Lehrer. Außer den immer größer und schwerer werdenden Treckern und landwirtschaftlichen Geräten befördert die Bauernfähre auch viele wandernde und radfahrende Touristen.

Weiteren Gesprächsstoff beim 12. Fährleutetreffen, auf dem hundert Teilnehmer von Fähren aus ganz Deutschland vertreten waren, bildeten drei neue Publikationen, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Binnenfähren in Deutschland beim Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven. Ziel dieser AG ist es, Fährbetreiber und Fährleute mit Wissenschaftlern zusammenzuführen und so die Erforschung der Geschichte des Fährwesens voranzubringen. Zum Fährleutetreffen hat die AG ein Doppelheft ihres Mitteilungsblattes "Der Fährmann" herausgebracht, das wie schon das vorausgegangene Heft den sächsischen Elbfähren gewidmet ist. Ebenfalls neu auf dem Markt ist Band 2 der Schriftenreihe der AG Binnenfähren, deren Redaktion in den Händen des DSM-Wissenschaftlers Hans-Walter Keweloh liegt. Titel und Inhalt bedeuten eine Verneigung vor den Gastgebern des Treffens: "Fähre Schweringen - die letzte schwimmende Brücke der Mittelweser".

Schließlich liegt noch die "DSM-Fährdatei 99" vor, die von Friedrich-Wilhelm Brandt (Syke), Rita Vogtmann und Michael Brecht (beide Neuwied), alle drei engagierte Mitglieder des Fördervereins Deutsches Schiffahrtsmuseum, aktualisierte, nach Gewässern geordnete Datei aller deutschen Fähren auf Flüssen, Kanälen, Seen, Förden und in Häfen.

Alle Veröffentlichungen sind über das Deutsche Schiffahrtsmuseum zu beziehen.

Zum ersten Mal nahm in diesem Jahr auch ein französischer Fährmann am Fährleutetreffen teil. Der Betreiber der Fähre in Seltz am Oberrhein hat seine Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft angekündigt. Neu war auch der Niederrhein mit der Fähre Rees-Reeserschanz vertreten.

Quelle: Deutsches Schiffahrtsmuseum, Presse-Info-Service, Info Nr. 22/99 vom 11.11.1999


1998
Ansprechpartner für Fähren an der Oberelbe gefunden

Arbeitsgemeinschaft "Binnenfähren in Deutschland" schaut auch über die Landesgrenze hinaus - Ein Treffen und eine wissenschaftliche Tagung an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden im November

Deutschlands Fährleute sind geschichts- und traditionsbewußt, sie pflegen die Freundschaft untereinander. Das zeigte sich erneut an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden. Beim Fährleute-Treffen, zu dem Fährbesitzerin Silke Methe nach Pretsch an der Elbe geladen hatte, feierten die Teilnehmer nicht nur das Wiedersehen mit Kollegen von vielen deutschen Flüssen und Seen, sie hatten auch Gelegenheit, bei der Besichtigung des Betriebes die wirtschaftlichen Folgen des Hochwassers aus nächster Nähe zu beobachten: Der Anleger stand noch unter Wasser, der Betrieb ruhte. Eine Woche darauf, bei der Tagung der vor zwei Jahren im Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven gegründeten Arbeitsgemeinschaft "Binnenfähren in Deutschland" in Dresden, rückte dann die wissenschaftliche Arbeit in den Vordergrund.

Schon in Pretsch konnte die AG zwei neue Publikationen vorlegen, die bei den Teilnehmern nicht nur auf starkes Interesse stießen, sondern auch viele Abnehmer fanden. Friedrich-Wilhelm Brandt (Syke), der als ehrenamtlicher DSM-Mitarbeiter an der Geschichte der deutschen Binnenfähren schreibt, hatte mit Unterstützung von Rita Vogtmann und Michael Brecht (beide aus Neuwied) eine verbesserte und erweiterte Fährdatei vorgelegt.

Dabei waren ihnen die Hinweise zahlreicher Fährfreunde im In- und Ausland eine große Hilfe. Viel Anklang fand auch das dritte Heft der Zeitschrift "Der Fährmann", die von Dieter König (Bremen) redigiert wird. Gastgeber der Tagung der Arbeitsgemeinschaft im Verkehrsmuseum Dresden war der in diesem Hause für den Bereich Schiffahrt zuständige Wissenschaftler Bernd Zibler. Er und sein ehrenamtlicher Mitarbeiter Ehrhardt werden für die Arbeitsgemeinschaft und damit auch für das Deutsche Schiffahrtsmuseum zukünftig kompetente Ansprechpartner sein, wenn es um die historische Entwicklung der Fähren an der Oberelbe geht.

Genau diesen Bereich für den Zeitraum nach der Wende behandelte der Geschäftsführer der Oberelbischen Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz mbH., Herr Henkel, in einem ausführlichen Referat. Das von ihm geleitete Unternehmen betreibt noch regelmäßigen Fährverkehr an acht Stellen der Oberelbe bis an Dresden heran. Nachdem die Gesellschaft einzelne unwirtschaftliche Fähren stillgelegt hat, schreibt sie inzwischen wieder "schwarze Zahlen".

Die Arbeitsgemeinschaft blickt inzwischen auch über die Landesgrenzen hinaus. In Dresden berichtete Dieter König über eine sehr aktive niederländische Bürgervereinigung, die sich - ins Deutsche übersetzt - "Freunde der Fußgängerfähren" nennt.

Im kommenden Frühjahr wird die Arbeitsgemeinschaft im Elbe-Schiffahrts-Museum Lauenburg tagen, dessen Leiter Werner Hinsch ihr aktives Mitglied ist. Die Fährleute haben sich sogar schon auf die beiden nächsten Trefforte festgelegt. 1999 kommen sie in Schweringen an der Mittelweser zusammen, bei Stromkilometer 288,66 und damit in dem Ort der nächsten Flußquerung per Schiff südlich der Sielwallfähre in Bremen. Die Realgemeinde Schweringen hat für den Fährverkehr gerade einen Neubau in Auftrag gegeben. Im Jahr 2000 wird das Fährleute-Treffen in Grimma an der Elbe stattfinden. 

Quelle: Deutsches Schiffahrtsmuseum, Presse-Info-Service, Info Nr. 19/98 vom 07.12.1998


1997
Schon Karl der Große kampierte in der Nähe des Fährortes Herstelle

Arbeitsgemeinschaft Binnenfähren in Deutschland überraschte beim Deutschen Fährleutetreffen mit drei Publikationen auf einen Schlag - Deutsches Schiffahrtsmuseum stellte mit Hilfe des Fördervereins Anschubfinanzierung für Mitteilungsblatt bereit

Gleich drei Gastgeschenke hatten Volkskundler Hans-Walter Keweloh und Dipl.-Ing. Friedrich-Wilhelm Brandt von der 1996 am Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven gegründeten "Arbeitsgemeinschaft Binnenfähren in Deutschland" im Gepäck, als sie dem 10. Deutschen Fährleutetreffen in Herstelle an der Oberweser ihren Besuch abstatteten.

Sie legten Band 1 der neuen Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft vor, in dem sich Brandt als Autor - quasi eine Verbeugung vor dem Gastgeber - ausschließlich mit dem Schauplatz des diesjährigen Treffens beschäftigt: "Herstelle - ein Fährort mit Tradition". Dazu überraschten sie die versammelten Fährfrauen und Fährmänner mit der Nullnummer des Mitteilungsblattes der Arbeitsgemeinschaft, das unter dem Titel "Der Fährmann" zumindest einmal im Jahr, möglichst zum Fährleutetreffen, erscheinen soll.

"Der Fährmann" fand ebenso starken Anklang und Absatz wie die neu aufgelegte Datei "Binnenfähren in Deutschland", die den bisher registrierten Bestand an 269 Fähren auflistet und die ständig aktualisiert werden soll. In alphabetischer Folge sind die Fähren nach den Flüssen, Kanälen und Seen geordnet, auf denen sie verkehren, unterteilt werden sie dann noch einmal nach den Stromkilometern. Um ein Beispiel zu nennen: "AL" steht für den Fluß Aller, "AL 5" für die Fähre Otersen an der Aller. Die Kürzel tauchen vor allem im Mitteilungsblatt immer wieder auf.

Als Friedrich-Wilhelm Brandt der Historie von Herstelle an der Oberweser nachspürte, das seit dem 1. Januar 1970 zur Stadt Beverungen gegenüber dem auf dem rechten Weserufer liegenden idyllischen Würgassen gehört, stieß er auf ein reiches Quellenmaterial. Ein Pastor namens August Engel hatte 1845 in Hameln einen 141seitigen Geschichtsband vorgelegt, in dem er berichtete, daß Kaiser Karl der Große 797 in der Burg oberhalb der Hersteller Fähre für etwa fünf Monate hofhielt. Über Furten und mit Fähren querten die Anwohner, fremde Kaufleute und Heere schon damals den Fluß. In Urkunden erwähnt wird die Hersteller Fähre erstmals 1417, im Jahr des Konstanzer Konvents. Eine über ein Hochseil geführte Prahmfähre, wie sie heute noch verwendet wird, sollte jedoch erst in den frühen zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts ihren Betrieb aufnehmen.

Seit 1820 befand sich die Fähre in Erbpacht der Familie Harding, wie die heute neunzigjährige Josephine Flebbe, geborene Harding, bestätigt. Ihr Vater, der letzte selbständige Fährmann Hermann Harding, verkaufte das längst nicht mehr florierende Unternehmen 1919 an die Gemeinde Herstelle, die die Fähre sofort wieder verpachtete. Seit 1987 hält der ehemalige Binnenschiffer Willi Spieker die Verbindung zwischen den beiden Weserufern aufrecht. Zu ihm gesellten sich 1984 mit Heinrich Reineke als Mitpächter und Karl Jäger zwei Berufskollegen. Seitdem läuft zwischen "Den Drei von der Fähre" ein planmäßiger Schichtplan ab, von dem vor allem viele Fußgänger und Radwanderer profitieren.

Weniger in die Vergangenheit, umso mehr auf die Gegenwart und in die Zukunft blickt "Der Fährmann", das schick aufgemachte Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft Binnenfähren in Deutschland, für das Dieter König, Bremen, nicht nur die Redaktion übernommen hat, sondern auch als Verleger fungiert. Um auf "AL 5" zurückzukommen: Darunter beschreibt Günter Lühning aus Otersen, wie die Jahrhunderte alte Fährverbindung über die Aller 16 Fluß-Kilometer oberhalb der Einmündung in die Weser von Mitgliedern der Dorfgruppe Otersen im Heimatverein Kirchlinteln wiederbelebt wurde. Mit großem Erfolg, wie vor allem
der Ansturm von Radwanderern bewiesen hat.

Die Anschubfinanzierung für das Mitteilungsblatt hat übrigens das Deutsche Schiffahrtsmuseum mit Hilfe seines Fördervereins bereitgestellt. Vom Förderverein erhielt die Arbeitsgemeinschaft aber noch weitere wertvolle Unterstützung - durch die ehrenamtliche Arbeit von dreien seiner Mitglieder. Friedrich-Wilhelm Brandt ist bereits seit 1991 ehrenamtlich am Deutschen Schiffahrtsmuseum tätig, um die Geschichte der Weserschiffahrt, insbesondere des deutschen Fährwesens aufzuarbeiten. Er hat, wie der geschäftsführende DSM-Direktor Professor Dr. Detlev Ellmers lobend hervorhebt, seine Forschungsergebnisse bereits in mehreren Publikationen vorgelegt und in einer Wanderausstellung dargestellt.

Beim Aufbau der Datei hat Brandt in zwei weiteren Mitgliedern des Fördervereins engagierte Mitstreiter gefunden: Rita Vogtmann und Michael Brecht aus Neuwied arbeiteten eifrig an diesem Werk mit, das bei den in Herstelle versammelten Fährleuten auf starkes Interesse stieß. Mit den drei neuen Veröffentlichungen hat sich das DSM nochmals nachdrücklich als Anlaufstelle zur Fährenforschung profiliert.

Das Fährleutetreffen fand übrigens bereits zum zehnten Male statt. Den Anstoß dazu, daß sich die Fährleute in familiärer Runde zusammenfinden und einen Gedankenaustausch führen sollten, hatte die Fährfrau Brigitte Müller geliefert, als sie 1988 nach Höfgen an der Mulde in der damaligen DDR einlud. Beim 11. Fährleutetreffen in Wittenberg an der Elbe wird mit Silke Methe die Gastgeberin wiederum eine Fährfrau sein.

Quelle: Deutsches Schiffahrtsmuseum, Presse-Info-Service, Info Nr. 22/97 vom 19.11.1997


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